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Geschichte der DGGT

 

Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik e.V. (DGGT)

Die Deutsche Gesellschaft für Geotechnik e.V. (DGGT) wurde am 21. September 1950 als Deutsche Gesellschaft für Erd- und Grundbau e.V. (DGEG) gegründet. Die damaligen 47 Gründungsmitglieder hatten beschlossen, die Forschungstätigkeit auf den Gebieten der Bodenmechanik und des Grundbaus im Rahmen einer gemeinnützigen Gesellschaft zu fördern.

Was ging der Gründung der Gesellschaft voraus?

Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Erd- und Grundbau e.V. (DGEG) war eng mit der Geschichte der geotechnischen Forschung in Deutschland verbunden. Noch um 1900 war die wissenschaftliche Untersuchung von Baugrundproblemen vor allem die Aufgabe der Hochschulen. In der Regel befassten sich die Institute für Wasserbau und Statik mit diesen Fragen. Ein solches Institut existierte z.B. in Berlin schon seit 1799. In der ersten Hälfte des 19. Jh. schlossen sich, infolge der Industrialisierung, die Gründungen technischer bzw. gewerblicher Ausbildungsstätten an. Der Lehrplan beinhaltete von Anfang an auch geotechnische Fragestellungen, in der Regel in Verbindung mit dem Wasserbau. Die Durchführung experimenteller Untersuchungen wurde hauptsächlich durch diese Einrichtungen realisiert. Erst die große Investitionstätigkeit des Deutschen Kaiserreiches bei Anlagen des Verkehrswasserbaus und der Marine führte zur Errichtung eines von den Hochschulen unabhängigen staatlichen Institutes für hydro- und geotechnische Untersuchungen. Ab 1903 wurde diese Aufgabe von der Kaiserlichen Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau in Berlin übernommen.

Während des Ersten Weltkrieges beschränkte sich das Baugeschehen hauptsächlich auf den Wiederaufbau zerstörter Verkehrswege. Nach Kriegsende bestand ein großer Nachholbedarf an Bauwerken der Infrastruktur, vor allem auf dem Gebiet des Verkehrswesens. Nach dem Wasserbau wurde jetzt der Straßen- und Flugplatzbau zur bedeutendsten Tiefbauaufgabe.

Insgesamt bedeutete das Jahrzehnt zwischen 1920 und 1930 für die Bauingenieure eine große Herausforderung. Sie mussten erheblich umlernen und sich neue Wege erschließen. Die bisherigen Erfahrungen des Tiefbaus reichten unter zwei Aspekten nicht mehr aus bzw. waren erst grundsätzlich zu entwickeln: Die Bemessung und Errichtung der Bauwerke erfolgte ausschließlich nach statischen Lastannahmen. Es fehlte die Berücksichtigung der dynamischen Beanspruchung der Materialien und Bauteile. Im Hinblick auf den Baugrund ergab sich als Defizit, dass die zeitabhängigen Vorgänge nicht beachtet worden waren. Das 1925 von dem österreichischen Ingenieur Karl von Terzaghi publizierte Buch „Erdbaumechanik auf physikalischer Grundlage“ fand deshalb auch eine äußerst interessierte Leserschaft unter den Bauingenieuren in Deutschland. Die Erkenntnis, dass die „Erdbaumechanik“ weit über die auf Versuche mit Sand basierende, traditionelle Erddrucklehre hinausgeht, setzte sich zunehmend durch.

1927 wurde in der „Deutschen Gesellschaft für Bauingenieurwesen“ der „Deutsche Ausschuss für Baugrundforschung“ zur Erforschung des Baugrundes und der damit zusammenhängenden Fragen gegründet. Der Ausschuss setzte sich dabei zum Ziel, technische Regeln für den Umgang mit dem Baugrund aufzustellen und die Forschung auf diesem Sondergebiet auf eine eigene Grundlage zu stellen. Das beinhaltete vor allem die Entwicklung von an den Besonderheiten der verschiedenen Bodenarten orientierten Eignungs- und Festigkeitsversuchen.

Die Rolle des Ausschusses selbst war eher eine koordinierende. Die praktische Arbeit sollte von den Versuchsanstalten geleistet werden. Neben der Preußischen Versuchsanstalt für Wasserbau und Schifffahrt (ehemals Kaiserliche Versuchsanstalt für Wasserbau und Schifffahrt in Berlin), dem Franzius-Institut in Hannover und der 1924 in Freiberg/Sachsen gegründeten Versuchsanstalt entstand 1928 in Berlin die „Deutsche Forschungsgesellschaft für Bodenmechanik“. Zu den 27 Gründungsmitgliedern, die interessierte Ministerien und Bauverwaltungen, die Hochschulen und die Bauindustrie repräsentierten, gehörten renommierte Fachleute wie Terzaghi, Franzius, Kögler, Hertwig, Agatz, Dienemann, Loos und Busch.

Als Ergebnis der Beratungen des Deutschen Ausschusses für Baugrundforschung wurde 1934 das Normblatt DIN 1054 „Zulässige Belastung des Baugrundes und der Pfahlgründungen“ (Neufassung 1940) und im Jahre 1935 die „Richtlinien für bautechnische Bodenuntersuchungen“ publiziert.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Deutsche Ausschuss für Baugrundforschung ab 1947 im Rahmen des Deutschen Normenausschusses als „Deutscher Baugrundausschuss“ reaktiviert. Als neuer Vorsitzender wurde am 28.10.1948 Oberbaudirektor i. R., Dr.-Ing. E.h. Dr.-Ing. Erich Lohmeyer, gewählt und als stellvertretender Vorsitzender o. Prof. Dr.-Ing. Hans Lorenz, Technische Universität Berlin.

Die Arbeit dieses Ausschusses bewegte sich zunächst im Rahmen des Deutschen Normen-ausschusses. Deshalb arbeitete er dort unter der Bezeichnung „Arbeitsgruppe Baugrund im Fachnormenausschuss Bauwesen des Deutschen Normenausschusses“. Diese Arbeitsgruppe umfasste 7 Arbeitsausschüsse.

Es stellte sich bereits nach kurzer Zeit heraus, dass viele Fragen auf dem Gebiet des Grund- und Erdbaus und der Bodenmechanik über den Rahmen des Normenausschusses hinausgingen. Vor allem war die Klärung der wissenschaftlichen Grundlagen der Bodenmechanik notwendig sowie die Vermittlung ihrer Ergebnisse in einer praxisgerechten Weise. Dies ging über die bisherige Normungsarbeit hinaus.

Gründung der DGEG

Aus diesem Anlass gründeten die damals 47 Mitarbeiter der „Arbeitsgruppe Baugrund“ anlässlich der nationalen Tagung für Erd- und Grundbau vom 19. - 21.9.1950 in Karlsruhe am 21. September 1950 die „Deutsche Gesellschaft für Erd- und Grundbau e.V.

Die Eintragung in das zuständige Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg erfolgte am 18. April 1951. Die Gründungsversammlung der Gesellschaft wählte als Vorsitzenden des Vorstandes Oberbaudirektor i. R., Dr.-Ing. E.h. Dr.-Ing. Erich Lohmeyer, Hamburg, und als Stellvertretenden Vorsitzenden o. Professor, Dr.-Ing. Hans Lorenz, Technische Universität Berlin.

Weitere Vorstandsmitglieder waren

  • o. Professor em., Dr.-Ing. E.h. Dr.-Ing. Arnold Agatz, Bremen, Vertreter der Hafenbautechnischen Gesellschaft

  • Dr.-Ing. Lutz Erlenbach, Kiel, Vertreter der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen

  • Senator h.c., Regierungsbaumeister a. D. Friedrich Linsenhoff, Frankfurt/Main, Vertreter des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V.

  • Oberregierungsbaurat Peter Siedek

In den ersten Jahren traten noch hinzu

  • Ministerialrat a.D. Dr.-Ing. Bruno Hemp, Bonn

  • Ministerialrat Tischer, Bundesministerium für Verkehr

  • Ministerialdirigent Dr.-Ing. E.h. Wedler, Bundesministerium für Wohnungsbau

  • Ministerialrat Lemmerhold, Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn

  • Dr.-Ing. Bilfinger, Grün & Bilfinger AG

  • Direktor a.D. Dr.-Ing. Lange, Dyckerhoff & Widmann K.G.

  • Herr Blaschke, Zentralverband des Deutschen Baugewerbes

  • Ministerialrat Dr.-Ing. Müller, Bundesministerium für Verkehr

Bereits kurz nach dem zehnjährigen Jubiläum finden sich in den Annalen des Vorstandes der Gesellschaft weitere bekannte Persönlichkeiten, wie Bundesminister a.D. Prof. Dr.-Ing.Leussink und Prof. Dr.-Ing. Schmidbauer. Diese Nennung der früheren Vorstandsmitglieder der Gesellschaft gibt Zeugnis von ihrer fachlichen Kompetenz von Anfang an. Sie war und ist die Grundlage der Zusammensetzung des Vorstandes der DGGT, ihrer Mitglieder und ihrer Arbeitskreise bis zum heutigen Tage.

Die Vorstandsvorsitzenden seit 1950 unterstreichen dies in besonderer Weise. Nach dem Gründungsvorsitzenden

  • 1950 – 1960       Oberbaudirektor i.R. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Lohmeyer

waren dies von

  • 1960 - 1978 Dr.-Ing. E.h. König

  • 1978 - 1990 Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Smoltczyk

  • 1990 - 2002 Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Wittke

  • 2002 - 2010 Prof. Dr.-Ing. E.h. Nußbaumer

  • 2010 - 2014 Prof. Dr.-Ing. G. Heerten

  • 2014 - heute Dr.-Ing. W. Sondermann

Nach der Gründung in Karlsruhe war die Gesellschaft die ersten 11 Jahre in Hamburg ansässig. Ende 1961 verlegte sie ihren Sitz nach Essen. Dort befand sich die Geschäftsstelle der Gesellschaft zunächst in der Kronprinzenstraße 35a, dann ab 1988 in der Hohenzollernstraße 52. Im Juni 2008 bezog die Geschäftsstelle ihre jetzigen Räume in der Gutenbergstr. 43.

Entwicklung der Gesellschaft und Umbenennung in DGGT

Durch Initiative von Dr. König und des damaligen Vorsitzenden der Deutschen Geologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Martini, war es 1968 gelungen, die verschiedenen geotechnischen Arbeitsgebiete unter dem organisatorischen Dach der Deutschen Gesellschaft für Erd- und Grundbau (DGEG) zu vereinen. Dies wurde durch die Einrichtung von zunächst vier Fachsektionen für Bodenmechanik, Erd- und Grundbau, Felsmechanik und Ingenieurgeologie erreicht. Die 1968 bei der DGEG und 1969 bei der damaligen Deutschen Geologischen Gesellschaft (heute: Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften) getrennt gegründeten Sektionen Ingenieurgeologie werden seit 1972 als gemeinsame Sektion von beiden Gesellschaften getragen. 1988 wurde zusätzlich die Fachsektion Kunststoffe in der Geotechnik gegründet. Als Anfang der 90er Jahre Deponien und Altlastensanierungen zunehmend in den Fokus des geotechnischen Interesses rückten, wurde 1993 die Fachsektion Deponien und Altlasten gegründet, die 2006 in Anpassung an die nationale und internationale Fachterminologie in Fachsektion Umweltgeotechnik umbenannt wurde.

Aufgrund dieser im Laufe der Jahre erfolgten Erweiterung ihres anfänglichen Aufgabenspektrums durch die Felsmechanik, die Ingenieurgeologie, die Kunststoffe in der Geotechnik und durch geotechnische Fragestellungen aus dem Gebiet der Deponien und Altlasten wurde die Deutsche Gesellschaft für Erd- und Grundbau 1994 in Deutsche Gesellschaft für Geotechnik umbenannt. Zugleich wurde damit der internationalen Bezeichnung des Fachgebietes mit „Geotechnical Engineering“ Rechnung getragen.

Aktivitäten und Mitglieder

Die erste deutsche Baugrundtagung fand 1952 in Essen statt und zog bereits mehr als 900 Teilnehmer an. Im Jahr des 60jährigen Jubiläums kann die DGGT auf nunmehr 31 Baugrundtagungen sowie 50 Tagungen und Symposien der Fachsektionen zurückblicken.

Die Anzahl der Mitglieder in der Gesellschaft ist inzwischen von 47 im Jahre 1950 auf rund 2.000 angewachsen. Davon sind derzeit knapp 1.900 persönliche Mitglieder, 100 Außerordentliche Mitglieder (Firmen) und 20 Förderer (Behörden).

 

Aufgaben und Aussichten für die Zukunft

Die Aufgabenstellung der Gesellschaft ist seit 1950 im Wesentlichen unverändert:

  • Die wissenschaftliche Erforschung des Baugrundes, des Bodens und des Felses und dessen Verhalten unter Beanspruchung aller Art.

  • Die Verbesserung der Berechnung und Gestaltung der Erd- und Felsbauten und der Gründung von Bauwerken mit dem Ziel einer sicheren, sparsamen und umweltfreundlichen Bauweise.

  • Die daraus sich ergebende Ausarbeitung und Herausgabe von Merkheften, Richtlinien und anderen Veröffentlichungen, die der Berechnung und Gestaltung der Bauwerke und der praktischen Bauausführung in leicht fasslicher Form dienen, so dass sie ohne zeitraubendes Einarbeiten übernommen werden können.

DIN-Normen für Erd- und Grundbau werden in gemeinsamen Ausschüssen des Deutschen Instituts für Normung e. V. (DIN) und der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik e. V. aufgestellt.

Diese Arbeit wird ehrenamtlich in derzeit 47 Arbeitskreisen geleistet. Alle Grundbau-Normen des DIN sowie 50 Empfehlungen und Richtlinien wurden im Laufe der Jahre erarbeitet. Sie werden ständig aktualisiert, neue Fragestellungen werden aufgegriffen und die europäische Normung in der Geotechnik vorangetrieben.

Die DGGT pflegt wissenschaftliche Beziehungen zu verwandten Organisationen des In- und Auslandes und hält engen Kontakt zu ihren geowissenschaftlichen Nachbargesellschaften.

Sie ist Mitglied der „International Society for Soil Mechanics and Geotechnical Engineering (ISSMGE)”, der „International Society for Rock Mechanics (ISRM)”, der „International Association of Engineering Geology and the Environment (IAEG)” und hat ein German Chapter der „International Geosynthetics Society“ (IGS) .

Die Aufgaben und Ziele der DGGT sind zukunftsorientiert. Die Integration junger Nachwuchskräfte in die Deutsche Gesellschaft für Geotechnik ist eine ihrer wichtigen Aufgaben.

 

 

 

 

 

Zeitschrift geotechnik

Die Zeitschrift geotechnik, seit 1978 von der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik als offizielles Organ herausgegeben, ist mittlerweile die führende deutschsprachige Fachzeitschrift in ihrem Segment. Mitglieder der DGGT erhalten die geotechnik 4 mal im Jahr.
Die Zeitschrift geotechnik wird seit Anfang 2011 vom Verlag Ernst und Sohn, Berlin, verlegt.

 

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Junge Geotechniker in der DGGT

Die jüngeren Mitglieder in der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik haben sich ein eigenes Forum geschaffen, in dem sich der geotechnische Nachwuchs über Studium, Berufswahl, Jobs und Praktika und vieles andere mehr austauschen kann. Eine Mitgliedschaft in der DGGT ist für das mitdiskutieren, mitmachen und mitgestalten selbstverständlich keine Voraussetzung.

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